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Darf's noch etwas Kunst sein?

Von Léonie Roose-König am 28.01.2011 um 00:00 Uhr

„Ein halbes Pfund Picasso, 300 Gramm Chagall und fünf Scheiben van Gogh, bitte.“ So ungefähr habe ich mir den Theken-Talk im Kunstsupermarkt vorgestellt, von dem ich kürzlich Wind bekam. Aber, Pustekuchen. Zeichnungen, Aquarelle, Acryl- und Ölgemälde gehen hier zwar tatsächlich über den Ladentisch, allerdings nicht Pfundweise, sondern am Stück: Originale und Unikate junger Künstler, die ihre Werke günstig anbieten – und das in der Einrichtung eines Supermarktes.

Jedes Jahr zwischen November und Januar findet der Kunstsupermarkt in verschiedenen deutschen Städten, aber auch in Österreich und der Schweiz statt und ist mit seinem Konzept eine lebendige Alternative zum traditionellen Kunsthandel. Denn was man sonst nur im Museum oder in Galerien zu Gesicht bekommt, liegt hier zum wahrhaftigen Anfassen bereit. Jeder der circa 100 Künstler präsentiert sich mit mindestens 40 Arbeiten in seiner ganz eigenen „Künstlerkiste“. Wie in einem großen Plattenladen flaniert das kunstinteressierte Publikum durch die Gänge, stöbert mal hier im Karton, steckt mal da die neugierige Nase rein oder bleibt mal dort an der Wand stehen, um sich ein Gemälde genauer anzuschauen. Hat man sein Lieblingsstück zum Festpreis von 50,-, 99,-, 199,- oder 299 Euro gefunden, kann man es vor Ort gleich rahmen lassen.

Das tolle am Art-Discounter: Kunstbanausen oder Menschen, die sich sonst eher nicht mit Zeichnungen und Gemälden befassen, wird der Zugang zu zeitgenössischen Werken erleichtert. Noch dazu ist die Kunst erschwinglich. Und das Beste: Jeder, der im Kunstsupermarkt etwas ersteht, unterstützt junge Nachwuchskünstler aus dem In- und Ausland und legt so vielleicht den Grundstein für eine große Karriere. Kunst zum Preis von ein paar Schuhen – das ist doch was. Und wer hat schon ein waschechtes Original an der Wand?

Kunstsupermarkt: noch bis 29. Januar in Frankfurt und Berlin

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